Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Reifen24 · Top Bewertungen bei Trustpilot

Winterreifen-Profiltiefe: Grip bei Glätte und Nässe

Warum ist das Winterreifenprofil so entscheidend? Welche Profiltiefe ist mindestens erforderlich – und wie messe ich diese am besten?

Ob Winter oder Sommer, grober Geländereifen oder Rennstrecken-Slick: Die Lauffläche ist das zentrale Element eines jeden Reifens. Sie entscheidet maßgeblich mit darüber, was Bereifung und Fahrzeug im Stande sind zu leisten. Neben der Materialbeschaffenheit und der Härte der Gummimischung steht dabei vor allem das Profil im Fokus.

Insbesondere bei Winterreifen können schon wenige Millimeter Abweichung in der Profiltiefe einen großen Unterschied machen: in puncto Komfort, Dynamik und Fahrstabilität, vor allem aber in der Sicherheit!

Vorab: Auch Ganzjahresreifen sind Winterreifen

Moderne Ganzjahresreifen gelten technisch und rechtlich als Winterreifen. Entscheidend ist das Alpine-Symbol für die Tauglichkeit unter winterlichen Bedingungen. In diesem Ratgeber-Artikel ist überwiegend von Winterreifen die Rede, was Ganzjahresreifen in gleichem Maße mit einschließt.

Warum ist die Profiltiefe von Winterreifen so wichtig?

Winterreifen wie auch Ganzjahresreifen werden speziell für kalte Außentemperaturen entwickelt. Dementsprechend verfügen beide Reifenarten über eine deutlich weichere Gummimischung gegenüber Sommerreifen. Darüber hinaus weist die Lauffläche von Winterreifen zahlreiche Lamellen sowie ausgeprägte Profilblöcke auf. Diese Konstruktion verleiht den alpinen Pneus die Fähigkeit, sich mit lockerem Schnee zu verzahnen und auch auf festgefahrenen Schneedecken noch ausreichend Grip aufzubauen.

In den großzügigen Profilrillen von Winterreifen kann sich bei Bodenkontakt Schnee festsetzen und beim Abrollen schnell wieder lösen. Das ist nicht etwa ein unerwünschter Nebeneffekt, sondern vielmehr eine gezielt herbeigeführte Funktion im Winterreifen-Profildesign. Denn Schnee auf Schnee hat häufig bessere Hafteigenschaften als Gummi unmittelbar auf einer Schneedecke. Der Schnee in den Profilrillen verzahnt sich: Dieser Effekt wird Schnee-auf-Schnee-Reibung genannt.


Abnehmende Profiltiefe mit spürbaren Effekten

Nimmt die Profiltiefe ab, werden die Rillen und Lamellen flacher. Der Reifen kann weniger Schnee und Schneematsch aufnehmen und einen wesentlichen Teil seiner Verzahnungswirkung einbüßen. In der Praxis am Steuer spiegelt sich dies in verschiedenen Fahreigenschaften und Situationen wider:

  • Verringerte Traktion beim Anfahren
  • Zuverlässige Seitenführung in Kurven lässt nach
  • Eingeschränkte Fahrstabilität bei Ausweichmanövern
  • Reduzierte Bremsleistung auf Schnee und Schneematsch
  • Weniger Wasserverdrängung auf nasser Fahrbahn
Winterreifen-Profiltiefe

Winterreifen-Profiltiefe: Wie viel Millimeter sind „sicher“?

Eine ausreichende Profiltiefe ist bei Winterreifen entscheidend für Haftungseigenschaften, Fahrstabilität und einen möglichst kurzen Bremsweg. In Deutschland schreibt der Gesetzgeber mindestens 1,6 Millimeter vor. Aus Sicherheitsgründen sollten Winterreifen jedoch bereits wesentlich früher ersetzt werden: Experten empfehlen einen Wechsel, sobald die Profiltiefe weniger als 4 Millimeter beträgt.

Gesetzliches Winterreifen-Mindestprofil

Reifenprofil Mindesttiefe:

1,6 mm

gesetzlich vorgeschrieben

Gemäß § 36 Abs. 3 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) muss das Hauptprofil eines Reifens mindestens 1,6 Millimeter tief sein. Diese Untergrenze gilt in Deutschland sowohl für Winter- als auch für Sommer- und Ganzjahresreifen.

Als Hauptprofil werden die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche definiert: Sie machen ungefähr drei Viertel der gesamten Laufflächenbreite aus. Die vorgeschriebene Profiltiefe muss in diesem Bereich über den gesamten Reifenumfang vorhanden sein.

Empfohlene Winterreifen-Profiltiefe

Die gesetzlich erlaubten 1,6 Millimeter sind als absolute Verschleißgrenze zu verstehen. Die Tatsache, dass diese Mindestprofiltiefe ebenso für Sommerreifen gilt, macht nachvollziehbar, warum gemeinhin eine deutlich abweichende Empfehlung besteht.

Ob Reifenhersteller, Automobilclubs oder Fahrsicherheitsprofis: Experten sind sich einig, dass Winterreifen ersetzt werden sollten, sobald sie weniger als 4 Millimeter Profiltiefe aufweisen. Zum Vergleich: Für Sommerreifen liegt die Empfehlung bei einer Grenze von 3 Millimetern.

Diese Empfehlungen sind weder übermäßige Vorsicht noch Marketing-Instrumente, denn in der Praxis auf nasser glatter Straße zeigen sich leider schnell die Folgen einer geringen Profiltiefe. Unterhalb von 4 Millimetern kann die Wintertauglichkeit bereits deutlich nachlassen – selbst wenn der Reifen rechtlich noch zulässig ist.


Bußgeld und Folgen bei Unterschreitung der Mindestprofiltiefe

Wer ein Kraftfahrzeug oder einen Anhänger mit weniger als 1,6 Millimetern Reifenprofil in Betrieb nimmt, muss laut Bußgeldkatalog mit 60 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen. Dies betrifft Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen gleichermaßen.

Wird dadurch zusätzlich jemand gefährdet, steigt das Bußgeld auf 75 Euro. Kommt es zu einem Unfall, werden 90 Euro fällig. Auch dann wird jeweils ein Punkt eingetragen.

Für den Fahrzeughalter (auch wenn er das Fahrzeug nicht selbst führt) beträgt das Bußgeld 75 Euro und es droht ebenfalls ein Punkt, wenn er die Fahrt mit unzureichendem Reifenprofil angeordnet oder zugelassen hat. Zusätzlich können abgefahrene Reifen bei einem Unfall Auswirkungen auf Haftung und Versicherungsleistungen haben, wenn der mangelhafte Reifenzustand für den Schaden mitursächlich war.


Profiltiefe von Winterreifen richtig messen

Eine regelmäßige Kontrolle des Reifenprofils ist nicht nur schnell und einfach erledigt, sondern trägt vor allem zur kontinuierlichen Fahrsicherheit bei. Messen Sie dazu jeden Reifen einzeln – nicht nur an einer einzigen Stelle, sondern in verschiedenen Rillen über die Laufflächenbreite und den Umfang hinweg. Denn Reifen können sich durch abweichenden Luftdruck, eine verstellte Spur, Unwuchten oder Fahrwerksveränderungen ungleichmäßig abnutzen.

Winterreifen-Profiltiefe richtig messen

Profiltiefe messen: So geht’s!

  • Fahrzeug auf einer ebenen Fläche positionieren
  • Lenkung einschlagen, damit die Lauffläche der Vorderreifen besser erreichbar ist
  • Feststellbremse aktivieren
  • Messen Sie in mehreren breiten Hauptprofilrillen
  • Prüfen Sie sowohl die innere und äußere Reifenseite als auch mehrere Stellen entlang des Reifenumfangs
  • Ausschlaggebend ist der niedrigste gemessene Wert

Münze, Maßstab, Messgerät – Präzise und provisorische Tools

Um die Profiltiefe Ihrer Winterreifen zu ermitteln, stehen Ihnen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung.

Profiltiefenmessgerät für exakte Ergebnisse

Die höchste Präzision bietet ein mechanischer oder digitaler Profiltiefenmesser. Das Messgerät wird auf die Lauffläche gesetzt und der Messstift bis zum Grund der Profilrille geführt. Einfache Modelle sind bereits für wenig Geld erhältlich – mechanische Schieber oft auch als Werbegeschenk. In ihrer wesentlichen Funktion sind mechanische und digitale Messgeräte gleich – der Unterschied liegt lediglich in der digitalen Anzeige der gemessenen Profiltiefe.

Euro-Münzen als schnelle Orientierung

Für eine schnelle, jedoch nur sehr grobe Kontrolle der Reifenprofiltiefe lassen sich Euro-Münzen verwenden. Der goldene Rand der 1-Euro-Münze ist rund 3 Millimeter breit, der silberne Rand der 2-Euro-Münze weist 4 Millimeter auf. Fügt man die Münzen hochkant in die Profilrillen ein und blickt exakt seitlich darauf, lässt sich eine ungefähre Abschätzung treffen – je nachdem, wie weit der Rand welcher Münze in der Profilrille verschwindet.

Es bleibt zu betonen, dass die Münz-Methode keine exakten Messwerte liefert und nur provisorisch angewendet werden sollte. Für eine zuverlässige Kontrolle lohnt es sich, einen Profiltiefenmesser zur Hand zu haben.

1 Euro Münzen zur groben Messung der Reifenprofiltiefe

Stege in den Profilrillen: Was bedeuten sie?

In den Hauptprofilrillen moderner Reifenmodelle befinden sich kleine Verschleißanzeiger, die als Stege oder Erhöhungen wahrgenommen werden können. Diese cleveren Helfer zur Einschätzung der Profilabnutzung werden fachlich als Tread Wear Indicators (TWI) bezeichnet.

In fast allen Pkw-Reifenmodellen markieren die Profilindikatoren die gesetzliche Verschleißgrenze von 1,6 Millimeter. Je nach Hersteller, Modell und Saison (Winter-, Sommer-, Ganzjahresreifen) können auch zusätzliche Stege für 3 und/oder 4 Millimeter Profilstärke vorhanden sein.

Liegt die umgebende Lauffläche auf gleicher Höhe wie ein solcher Steg, weist der Reifen an dieser Position das entsprechende Restprofil auf.


Welche Winterreifen sind in Deutschland zulässig?

In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht. Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte dürfen entsprechend betroffene Kraftfahrzeuge grundsätzlich nur mit zugelassenen Winterreifen gefahren werden.

Als Winterreifen im rechtlichen Sinn gelten Reifen mit dem Alpine-Symbol, also dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Dazu zählen auch alle modernen Ganzjahresreifen. Eine reine M+S-Kennzeichnung genügt seit dem 1. Oktober 2024 bei winterlichen Straßenverhältnissen nicht mehr.

Die Kennzeichnung des Reifens und seine Profiltiefe sind zwei unterschiedliche Anforderungen: Ein Reifen kann das Alpine-Symbol tragen und wegen zu geringer Profiltiefe trotzdem nicht mehr vorschriftsmäßig sein.

Nicht nur Profiltiefe: Was Winterreifen außerdem beeinträchtigt

Eine geringe Profiltiefe ist nicht das einzige Risiko, das Reifen in der kalten Jahreszeit mit sich bringen können. Auch Faktoren wie Materialverhärtung oder -ermüdung können maßgeblich die Verkehrssicherheit beeinträchtigen.

Eine härter werdende Gummimischung ist vor allem eine Folge der Alterung und wiederholter thermischer Belastungen. Profilverschleiß und Reifenalter können die Fahreigenschaften gleichzeitig beeinträchtigen. Ein Blick auf das Reifenalter und Produktionsdatum (DOT) lohnt sich daher ebenso wie die Profiltiefenmessung.

Neben Reifenalter und Profilbeschaffenheit ist der richtige Reifendruck ein äußerst wichtiger Aspekt, der über Sicherheit und Verschleiß entscheidet und deshalb regelmäßig kontrolliert sollte. Auch die fachgerechte Einlagerung von Winterreifen im Sommer kann signifikante Unterschiede machen.

Gewissen Verschleißerscheinungen, Alterungsprozessen und Folgeschäden lässt sich oft mit einfachen Mitteln vorbeugen. Mehr dazu in unserem Ratgeber: Reifen schonen statt schädigen.


Fazit: Expertenempfehlung folgen statt Grenzwert ausreizen

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe für Winterreifen beträgt in Deutschland 1,6 Millimeter. Dieser Wert sollte jedoch nicht mit einer verbindlichen Sicherheitsempfehlung gleichgesetzt werden. Bereits unter 4 Millimeter können Grip, Seitenführung und Bremsleistung deutlich nachlassen.

Zwischen gesetzlichem Winterreifen-Mindestprofil und ausreichend Grip auf Schnee liegen also nicht nur 2,4 Millimeter Gummi, sondern entscheidende Sicherheitsreserven im winterlichen Straßenverkehr.

Kontrollieren Sie deshalb regelmäßig die gesamte Lauffläche und ersetzen Sie Winterreifen rechtzeitig. Ein Profiltiefenmesser liefert dabei wesentlich zuverlässigere Ergebnisse als ein Münztest.

Zum Vergleich:

Eine Landstraße hat grundsätzlich ein Tempolimit vom 100 km/h, was aber nicht automatisch bedeutet, dass jede enge Kurve auf dieser Straße auch mit dieser Geschwindigkeit durchfahren werden sollte.

Portrait von Pierre Bonse, freier Texter und Fachredakteur für Reifen24.de

Autor

Pierre Bonse

Freier Texter & Fachredakteur

Pierre Bonse ist freier Texter mit 20 Jahren Berufserfahrung und sitzt seit 2017 im Reifen24.de Info-Cockpit. Als routinierter Fachredakteur verfasst er fundierte Beiträge zu Reifen, Rädern, Fahrzeugtechnik und Mobilität. Seine Inhalte basieren auf präziser Recherche, hoher Praxisnähe und Aktualität sowie einem tiefen Verständnis für die Interessen der Leser.


Themen: Reifen, Räder, Fahrzeugtechnik, Mobilität